Jacob Schrot autor Sag, wie hältst Du es mit TTIP? Die Verhandlungen zum europäisch-amerikanischen Freihandelsabkommen sind zu einer politischen Gretchenfrage der Republik geraten. Die Ironie dabei: Es existiert noch gar kein TTIP. Sämtliche Chancen und Risiken sind stets im Konjunktiv zu genießen, denn erst der Abschluss der Verhandlungen in Form eines Vertragsentwurfs, der beiden Seiten des Atlantiks zur parlamentarischen Ratifizierung vorgelegt wird, erlaubt definitive Aussagen.

Jeder vierte Arbeitsplatz in der Bundesrepublik Deutschland hängt vom Export und damit respektive auch von unserer internationalen Freihandelsarchitektur ab. Allein hierzulande werden bereits 600.000 Arbeitsplätze durch die Handels- und Investitionsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten gesichert.

Amerika und Europa vereinigen knapp die Hälfte des globalen Bruttoinlandsproduktes und ein Drittel des weltweiten Handelsvolumens auf sich. Vor dem Hintergrund dieser überragenden Bedeutung für unser Wohlstandsgefüge lautet die eigentliche Frage damit nicht, ob, sondern welches TTIP wir wollen. Die Losung „Stop TTIP“ ist Ausdruck einer Fundamentalopposition, die sich der inhaltlichen Diskussion um die konkrete Ausgestaltung von Zollniveau, Produktstandard, Verbraucherschutz und Investitionsschutz verweigert. Ablehnen, was es noch überhaupt nicht gibt? Das kann weder im europäischen, noch im deutschen Interesse offener Märkte für den Verkehr unserer hochqualitativen Güter, Produkte und Dienstleistungen sein.

Der jetzige Zustand doppelter Zulassungs- und Zertifizierungsverfahren bei oftmals vergleichbarem Verbraucherschutzniveau mindert die Exportmöglichkeiten mittelständischer Unternehmen, die in Abwesenheit eines hauseigenen Juristen schlicht nicht die Ressourcen aufbringen können, amerikanische Regularien für ihre Produkte einzuhalten. Die Mehrkosten für diesen Doppelaufwand werden – von Autos über Getränke bis hin zu Kosmetik – an uns, die Verbraucher, in Form höherer Preise weitergegeben. Im Kontext dieser Defizite lohnt es sich, eine konstruktive Diskussion um eine faire und freie transatlantische Handelsordnung für das 21. Jahrhundert zu führen.

 

Jakob Schrot
Gründer der Initiative Junger Transatlantiker