lammertBei jedem Bericht darüber, was in der CDU so alles falsch läuft, wird mir jedes Mal ein bisschen schlecht. Klar, es ist wichtig zu überlegen, warum die CDU an Substanz verliert. Uneinigkeit innerhalb der Partei, personelle Schwierigkeiten, nicht besetzte Themen, Politikverdrossenheit und ja, natürlich haben wir Mitglieder an die AfD verloren, aaaaber die anderen Parteien ja auch. Wir sitzen in einer K.O.alition fest, die es kaum ermöglicht, eigene Interessen durchzusetzen. Aber hey, so ist das eben in einer Beziehung, man muss Rücksicht auf den Partner nehmen.

 

Aber warum geht dabei unser Selbstvertrauen flöten? Und wo ist unser Stolz hin? Warum so unsicher? Ich finde: Wir performen an uns selbst vorbei. Bei dem Versuch, alles richtig und es jedem recht zu machen, vergessen wir – Achtung, Phrasendrescher – unseren eigenen Kurs. Es hat der CDU noch nie geschadet, mehrere Strömungen zu haben, im Gegenteil. Die drei Wurzeln liberal, christlich-sozial und konservativ waren und sind essentiell für unsere Volkspartei. Jede These braucht eine Antithese, das gehört zum Fortschritt dazu. Und doch kommen wir nicht aus unserer Haut und sind zu sehr das, was wir ausstrahlen wollen, anstatt authentisch zu bleiben. Die Lösung kann nicht sein, die AfD als Antichristen zu etikettieren oder durch einen gewissen Herrn Martin S. (61) in Schockstarre zu verfallen. Vielmehr ist es der Blick von links und rechts weg und hin zu uns selbst. Ein wenig Gelassenheit würde uns sicher gut stehen. Die Welt wird mit dem neuen U.S.-Präsidenten nicht untergehen. Und auch unsere Bundesrepublik wird nicht in ihren Grundfes-ten erschüttert, wenn eine neue Partei ins Parlament einzieht. Auch nicht, wenn sie rechts der CDU steht. Vorausgesetzt, wir führen das weiter, was unsere Gründerväter uns auf den Weg gegeben haben. Denn: Am wichtigsten ist doch immernoch die Beziehung zu sich selbst.

– Ein Text von Anika Schiemann